Wenn Fremdwasser zum Ärgernis wird

Die Kläranlage Bergenweiler ist Geschichte, ein neues Pumpwerk ist in Betrieb und befördert das verdichtete Schmutzwasser in die Sammelkläranlage Bächingen. Auf der Verbandsversammlung stellte sich das viele Fremdwasser als große Finanzlast dar.

Zu Beginn der Jahresversammlung des Abwasserzweckverbands Untere Brenz entschuldigte sich der Verbandsvorsitzende und Sontheimer Bürgermeister Matthias Kraut dafür, dass erst so spät im Jahr die Verbandsversammlung abgehalten werden könne. Seit acht Monate ist Kämmerer Bernd Hoppe krank, der eigentlich Geschäftsführer des Verbandes ist.

Kurt Frühsammer von der Gemeindeverwaltung Sontheim sei gewissermaßen ins kalte Wasser geworfen worden und habe sich „aber mit Bravour in diese Aufgaben sowohl beim Zweckverband Wasserversorgung Brenzgruppe und beim Abwasserverband Untere Brenz eingearbeitet, die Jahresabschlüsse 2013 erstellt und auch die Wirtschaftspläne für 2014 gestaltet“. Krauts Dank galt aber auch dem Sontheimer Bauamtsleiter Manfred Stütz und dem Chef der Kläranlage, Frank Löffler.

Bächingen, Medlingen und Sontheim (samt Teilorten) sind Mitglied im Abwasserverband. Bei den vorgestellten Kennzahlen für die Kläranlage sind die Durchflusszahlen von hohem Interesse: 2011 waren es 1,446 Millionen Kubikmeter; 2012 etwas mehr als 1,083 Millionen cbm und 2013 über 2,312 Millionen cbm. Der Gesantdurchfluss an Trockenwetter-Tagen stellt sich wie folgt dar: 2011 571 517 Kubikmeter; 2012 346 988 cbm; 2013: 765 655 cbm. 2011 wurden 204, 2012 193 und 2013 142 Trockenwetter-Tage gezählt.

Ausgelegt ist die Sammelkläranlage für 9000 Einwohnergleichwerte. Die Jahresschmutzwassermenge wurde als schwankend bezeichnet: 2011 passierten 1,022 Millionen Kubikmeter die Messstelle; 2012 waren es 656 221 cbm und 2013 wurde alles getoppt: 1,968 Millionen Kubikmeter. Und das entsprach über 11 000 Einwohnergleichwerten. Damit, so ein Gemeindevertreter in der Verbandsversammlung, sei die Kapazitätsgrenze weit überschritten worden. Frank Löffler, der Chefklärwärter, winkte ab: „Das war nicht der Fall. Es handelt sich hier um einen rechnerischen Wert.“

Manchmal seien es nur durchschnittliche zehn Prozent Fremdwasser. Bei Starkregen schnelle die Menge schon mal auf 73 Prozent Anteil im Abwasserkanal hoch, sagte Löffler. Hier sei man über die Rückhaltebecken froh, die den Abfluss Richtung Klärwerk steuern.

Im Übrigen habe auch die Nitratbelastung im Vergleich der drei Jahre deutlich abgenommen – von 20,13 Milligramm je Liter auf 11,82 mg je Liter.

Bei der Diskussion nannte Bürgermeister Roland Grandel „die Abwasserabgabe eine irrsinnig hohe Summe“. 120 000 Euro seien das Dreifache und jenseits von Gut und Böse angesiedelt. Verbandsvorsitzender Matthias Kraut sprach „von einer einmaligen Überschreitung“. Sollte das sich aber wiederholen, „müsste man ernsthaft eine Lösung suchen“. Nicht beantwortet werden konnte die Nachfrage von Walter Unseld: „Gibt es beim Fremdwasser irgendwelche Schwerpunkte?“ Bauhofleiter Manfred Stütz vermutete, dass das viele Fremdwasser durch die Dachrinnen und Hausanschlüsse in die Abwasserkanäle gelange.

Jürgen Mäck wollte dazu noch eine Prognose für das laufende Jahr hören. Frank Löffler meinte, dass sich im Vergleich zum Vorjahr das Fremdwasseraufkommen in etwa halbiert habe.

Bürgermeister Stefan Taglang fasst eine gewisse Unzufriedenheit zusammen: Ihn beunruhige die Zufälligkeiten und dass man im Unteren Brenztal doch sehr vom Grundwasserstand abhängig sei: Eigentlich müsste man deshalb jeden Tag ein Stoßgebet zum Himmel schicken.