Startschuss für die Flurbereinigung

Straßen können in ihrem Verlauf sich nicht an den Grenzen von Grundstücken orientieren. Deshalb folgt dem Bau einer Umgehungsstraße oder einer Autobahn meist ein aufwändiges Flugbereinigungsverfahren. Im Falle Sontheim, Medlingen und Brenz sind insgesamt 379 Hektar Fläche betroffen.

(HZ) Von einer „Unternehmensflurbereinigung“ sprechen die Fachleute. Das meint, dass der Anlass für die Flurbereinigung nicht die Reaktion auf viele Jahrzehnte zurückliegende Erbauseinandersetzungen ist, sondern nach dem Neubau der Umgehungsstraße (Bundesstraße 492) bei Brenz und der Osttangente (als Verkehrsentlastung für Alt-Sontheim) den Landwirten wieder eine ordentliche Zufahrt zu den Feldern geben will. Auch bekommen die Äcker und Wiesen den Zuschnitt, der eine sinnvolle und auch ertragreiche Bewirtschaftung ermöglicht.

Folglich dauert so ein Flurbereinigungsverfahren mehrere Jahre und ist durchaus eine kostspielige Angelegenheit. Die Sontheimer freuen sich, konnte doch bei der Vergabe des Wegebaus und der Begradigung von Wasserabzugsgräben Geld gespart werden. Die Vergabesumme an Thannhauser & Ulbricht liegt um 200 000 Euro unter dem Kostenvoranschlag. Er war mit 1,7 Millionen Euro kalkuliert worden.

Insgesamt betrifft die Flurbereinigung 170 Grundstückseigentümer, die 629 Flächen in dem Gebiet haben, das neugestaltet werden muss. Die Gesamtkosten wurden beim gestrigen Spatenstich mit 2,3 Millionen Euro angegeben.

78 Prozent der Baukosten trägt die Bundesrepublik Deutschland, 22 Prozent bleiben an der Gemeinde hängen. Der planenden Ingenieur Martin Leis hat eine gute Lösung für den Landverlust gefunden. Er wurde in den Trassen der Wege und Straßen eingerechnet. So erleiden die Grundbesitzer keinen wirklich Verlust an Fläche. Angestrebt wird außerdem eine Verbesserung der Ökologie durch die Schaffung von Biotopvernetzung (Feuchtgebiete, Obstbaumwiesen, eine besondere Ausgestaltung der Gewässerrandstreifen).

Bevor es gestern zum ersten Spatenstich kam und in der Nähe schon die ersten Baummaschinen röhrten, hatte zunächst Bürgermeister Matthias Kraut sich auf den förmlichen Baustart gefreut und zugleich betont, dass die Gemeinde voraussichtlich mit 519 000 Euro an der Flurbereinigung finanziell beteiligt sei. Sein besonderer Dank galt stellvertretend dem Vorsitzenden Matthäus Lindenmeyer von der Teilnehmergemeinschaft für sehr gute Zusammenarbeit: „Aus Ihrem Ideen- und Erfahrungsschatz haben wir viele Tipps bekommen, die in die Pläne eingeflossen sind.“

Erster Landesbeamter Peter Polta überbrachte zum Spatenstich die Grüße des verhinderten Landrats sprach über den Landverlust, den jede neue Straße verursache und erwähnte die „Durchschneidungsprämie“ die an die bezahlt werde, über deren Grundstücke eine neue Straße gebaut werde. Insgesamt würden 16 Kilometer Wege im Flurbereinigungsgebiet neu gebaut.

„Wir hinterlassen hier keine verbrannte Erde“, versicherte Walter Hofmann vom Regierungspräsidium Stuttgart und skizzierte noch einmal die Baugeschichte der Bundesstraße 492 und jenen Staatsvertrag zwischen Bayern und Baden-Württemberg. Im Ländle wurden die Pläne gezeichnet, die Bayern sorgten, vertreten durch das Neubauamt Krumbach, für den Straßenbau: „Wir sind froh über die Chancen, die die Flurbereinigung uns hier bietet.“ Hofmann wie Polta und auch Kraut würdigten das prima Miteinander mit der Teilnehmer-Gemeinschaft. Dem stimmte kopfnickend auch Bernd Schindler zu, der Projektleiter für die Flurbereinigung im Landratsamt Heidenheim.

Matthäus Lindenmeyer zeigte sich glücklich, „dass endlich mit dem Bau unserer Wege begonnen wird.“